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Mobile Learning. Technische Innovation: ja. Didaktische Innovation: definitiv nein.

Der aktuelle Fokus beim Mobile Learning ist mir persönlich immer noch zu sehr geräteorientiert. Denn vorwiegend wird von Anbietern und Nutzern von den revolutionären technischen Innovationen geschwärmt, die im Bereich mobiler Informationstechnologie zwischenzeitlich zur Verfügung stehen:

Die Usability der Endgeräte wird immer besser: mehr Akkuleistung, mehr Speicherplatz und performantere Hardware. Die Übertragungsgeschwindigkeiten werden immer höher während die Kosten für eine Internetverbindung sinken. Genauso wird die weiter wachsende Vielfalt mobiler Devices hochgelobt: Mobiltelefone, Netbooks oder Tablet-PCs unterschiedlicher Hersteller lassen hier die Herzen höher schlagen. Doch auch HTML5, Moodle oder das virtuelle Klassenzimmer Adobe Connect werden aktuell fürs Mobile Learning entdeckt.
Leuchtende Augen also überall ob der technischen Möglichkeiten, die sich dem Endanwender an den Hals werfen. Die Gefahr aber besteht gerade darin, dass diese Begeisterung, die exakt genommen eine Begeisterung für mobile Informationsbeschaffung ist, zu einer Begeisterung für mobiles Lernen wird. Oder anders formuliert: So gut, wie die Datenbeschaffung selbst ist, soll angeblich auch mobiles Lernen sein. Technische Innovationen werden als didaktische Innovationen identifiziert bzw. mit diesen verwechselt. Auf den Punkt gebracht: Eine technische Revolution wird als didaktische Revolution gefeiert. Und das ist das Problem, an dem M-Learning eines Tages zerschellen könnte.

Denn Technik ersetzt keine didaktischen und lernpsychologischen Konzepte sondern ermöglicht eben nur ihre Realisierung. Und genau solche Konzepte werden im Rahmen des Mobile-Learning-Hypes kaum diskutiert und verblassen in der ausufernden Euphorie für virtuelle Klassenzimmer, immer leistungsfähigere Tablet-PCs und multifunktionale Learning-Apps. Doch mal Hand aufs Herz: konzeptionell, didaktisch und lernpsychologisch haftet an M-Learning doch nichts besonders Innovatives oder gar Revolutionäres.

Virtuelle Klassenzimmer zum Beispiel (mit ihren E-Tutoren, E-Dozenten oder von mir aus auch E-Coaches) sind vom Konzept her letztlich nichts anderes als klassische Präsenztrainings, behaftet mit exakt den gleichen Mängeln: Sie sind von der Praxis isolierte Theorieeinheiten mit einer hohen Vergessensrate – zumindest im Bereich Software-Schulung. Der einzig nennenswerte Vorteil ist der logistische der Ortsunabhängigkeit. Und ob ich eine Multiple-Choice-Aufgabe am PDA oder am Desktoprechner löse oder ob ich mit einem Bleistift Kreuzchen auf einem DIN A 4 Blatt mache, ist didaktisch gesehen völlig ohne Unterschied. Deshalb ist auch die Frage, ob bestimmtes Wissen überhaupt per Multiple-Choice abgeklopft werden sollte (was bei Software-Schulungen übrigens klar verneint werden muss), eine rein didaktische Angelegenheit und kann völlig unabhängig von der Technik beantwortet werden, mit der der Multiple-Choice-Test später umgesetzt wird.

Egal also, ob der Lernende später mit Papier und Stift oder mit irgendwelchen hippen interaktiven PDFs oder eBooks auf seinem PDA im Zugabteil arbeitet: das Prinzip ist weder neu noch sonderlich originell. Auch beim mobilen Ankreuz-Test läge der einzige Vorteil bei einer gewissen Orts- und Zeitunabhängigkeit.
Diese logistische und infrastrukturelle Verschlankung im Sinne einer Orts- und Zeitunabhängigkeit ist aber durchaus ein zentraler Aspekt des M-Learnings. Und gerade Universitäten und Fachhochschulen (und nicht unbedingt Unternehmen) gelten in Deutschland wohl als Vorreiter, wenn es darum geht, die daraus resultierenden wirtschaftlichen Vorteile (wie auch seinerzeit beim eLearning) effizient und gewinnbringend zu nutzen.

Man darf also behaupten: Mobile Learning bringt logistische und infrastrukturelle Vorteile. Aber eine didaktische Innovation oder gar Revolution, die dazu führt, dass die Lernenden mehr lernen, motivierter lernen, effizienter lernen, kollaborativer lernen, leichter lernen, das Gelernte mit weniger Lücken memorieren, es schneller in die Praxis übertragen usw.: Eine solche Revolution sehe ich nicht. Zumindest nicht in dem Grad, wie dem Mobile Learning aktuell öffentlich gehuldigt wird.

Game Based Learning dagegen wäre für mich ein Paradebeispiel konzeptionell-didaktischer Innovation. Genauso wie das Planspiel. Hier treten neue Konzepte auf, die für sich einen schnelleren, effizienteren und nachhaltigeren Lernerfolg und auch mehr Lernmotivation proklamieren. Ob ihr Konzept aufgeht, sei dahingestellt. Aber wenigstens haben sie eins.
In diesem Zusammenhang stellt sich für mich umso mehr die lernpsychologische Frage, ob bei Mobile Learning der Kontext der Öffentlichkeit überhaupt zum Lernen geeignet ist. Vergleichbare Einwände haben mich schon in meinem ersten Blogeintrag beschäftigt: Kann ich mich an öffentlichen Orten überhaupt konzentrieren? Will ich überhaupt mit einem kleinen mobilen Device lernen oder warte ich doch lieber, bis ich wieder an einen übersichtlichen Desktop-Rechner und stabilen Schreibtisch sitze? Kann ich in den kurzen Zeitfenstern, die mir unterwegs bleiben, den Lernstoff in sinnvolle Abschnitte gliedern? Nutze ich diese Zeitfenster überhaupt zum Lernen? Und nicht zuletzt: Störe ich mit dem Abspielen multimedialer Inhalte oder durch Videotelefonie ggs. meine nähere Umgebung?

Solche settingbedingten Widerstände schätze ich auf der motivationalen wie auch kognitiven Ebene eher hoch ein, aller beruflichen Weiterbildungspflicht und technischen Innovation nur so zum Trotz. Vielleicht habe ich aber auch nur die Art und Weise, wie Mobile Learning aktuell in Szene gesetzt wird, falsch verstanden. Vielleicht will ja überhaupt niemand Mobile Learning als eine didaktische und lernpsychologische Innovation verkaufen. Vielleicht ist die einzige Innovation, die Mobile Learning aktuell wirklich bietet (nämlich noch mehr Orts- und Zeitunabhängigkeit), Grund genug, um diese Technologie zu hypen.

Möglich wäre es. Denn allein schon die auf mobiles Lernen zurückgehenden logistischen und infrastrukturellen Verschlankungen von Qualifizierungsmaßnahmen sind nicht zu unterschätzen. Wenn ein dezentral aufgestelltes Unternehmen ab sofort nicht mehr unzählige Mitarbeiter in Fortbildungs- und Tagungshotels bei Produkt-, Software- oder Kommunikationsschulungen unterbringen, bespaßen und verpflegen muss, sondern nur noch in das virtuelle Klassenzimmer einzuladen braucht, egal, wo sich die Teilnehmer gerade befinden, bedeutet allein schon das ein signifikantes Einsparungspotenzial.

Natürlich gibt es auf der anderen Seite Schlimmeres, als sich mal ein paar Tage vom Tagesgeschäft abzukapseln und sich in einem behaglichen Wellness-Tagungshotel der beruflichen Fort- und Weiterbildung zu widmen. Dennoch: Der Verdacht liegt nahe, dass Mobile Learning aktuell nur ein Surfer auf der Innovationswelle mobiler Informationstechnologie ist, weder verantwortlich für die Entstehung dieser Welle noch Lieferant nennenswerter Beiträge zum Erhalt dieser Welle noch die Geschwindigkeit oder die Richtung mit-bestimmend. Schade eigentlich.

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